SCHULMEDIZIN
Die Therapieoptionen der Schulmedizin bestehen in der Regel aus einer Operation sowie aus den sog. systemischen Therapien, nämlich Chemo-, Strahlen-, Antikörper und/oder Antihormontherapie.
OPERATION
Da der Chirurg aufgrund meiner Voruntersuchungen (Ultraschall u. ultraschallgesteuerte Vakuumbiopsie) davon ausging, dass sich mein Brustkrebs noch im Frühstadium befindet, erhielt ich am 16.02.2005 ich eine brusterhaltende Operation (BET) nach der sog. Sentinel-Node-Methode.
Sentinel-Node-Biopsie (SNB)
Um die Brust weitgehend zu erhalten, muss der Arzt schon vorher Informationen über die Tumorerkrankung gewinnen. Wichtig ist dabei die Frage, ob die Lymphknoten in der Achselhöhle von Tumorzellen befallen sind. Der Nodalstatus dient auch als entscheiden-des Kriterium zur Auswahl einer adjuvanten Systemtherapie. Die Sentinel-Node-Biospie (SNB) oder auch Wächter-Lymphknoten-Technik genannt, ist eine neue und ausgesuchte Methode der Lymphknotenentfernung und Befundung, welche für Frauen mit invasivem Brustkrebs im Frühstadium in Frage kommt, bei denen ein geringes bis moderates Risiko eines Turmorbefalls der Achsellymphknoten besteht. (Siehe auch: Inaugural-Dissertation von M.Karavalaki zur SNB beim MammaCA, Uni Tübingen, 2005)
Für meine SNB wurde am Vortag der OP eine radioaktiv markierte Substanz in das tumornahe Gewebe und die übrige Brustdrüse eingespritzt. Über Nacht konnten die Lymphbahnen diese abtransportieren und sich in dem so genannten "Wächter-Lymphknoten", dem Sentinel-Knoten, anreichern. Mittels einer Gammasonde kann so in der Regel der für den Tumor zuständige Lymphknoten identifiziert werden. In meinem Fall gestaltete sich die Identifikation nicht so einfach, da sich mein Tumor in unmittelbarer Nähe des Sentinel-Nodes befand. Deshalb wurde während der OP ein blauer Farbstoff in meinen Tumor gespritzt und einmassiert, um den Abtransport ins Lymphsystem zu beschleunigen. Wie mir der Chirurg später erläutert sind die Bestandteile des Farbstoffs wesentlich kleiner als die radioaktiv markierte Substanz, so dass sie sich bis auf insgesamt acht Lymphknoten verteilen. Diese acht werden mir aus Sicherheitsgründen allesamt entnommen und der Pathologie zur Schnellschnittuntersuchung zugeleitet. Unter diesen acht Lymphknoten konnte dann auch nachträglich außerhalb des Körpers der Sentinel-Node mittels der Gammasonde eindeutig identifiziert werden. Der Schnell-schnittbefund zeigte Tumorfreiheit, so dass keine weiteren Lymphknoten entfernt werden mussten.
Brusterhaltende Therapie (BET)
Da der Tumor eine Ausdehnung von 1,6 cm hatte und dieser mit einem 1 cm breiten Sicherheitsrand entfernt wurde, wandte der Chirurg eine sog. Rotationsplastik bzw. Verschiebeplastik an, um das fehlende Gewebe auszugleichen. Innerhalb der Brust ist es möglich Drüsengewebe ohne Haut zu schwenken und damit einen Defekt oder ein Loch zu decken.
Da sich mein Tumor in unmittelbarer Nähe des Sentinels befand, konnten sowohl der Tumor als auch die markierten Lymphknoten durch den einen Schnitt auf "10.00 Uhr" entfernt werden, so dass ich mit einer einzigen 4 cm langen Narbe davon gekommen bin. Die rechte Brust ist seitdem ca. eine Körbchengröße kleiner.
CHEMO- & IMMUNTHERAPIE
Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde anhand der Gewebeproben bereits der Rezeptorstatus meines Tumors bestimmt. Die Hormonrezeptoren waren negativ, der HER2neu Rezeptorstatus hingegen 3-fach positiv.
Aufgrund der noch fehlenden Zulassung des Antikörpers Herceptin (Wirkstoff: Trastuzumab) für die adjuvante Therapie in Deutschland kommt allenfalls ein Einsatz im sog. Off-Label Use in Frage. D.h. es bedarf einer gesonderten Kostenübernahmeerklärung durch die KV. Diese wird dankenswerterweise ziemlich unbürokratisch noch im Februar erteilt. Selbiges gilt für das Taxan.
Aufgrund der Antikörpertherapie muss das Chemo-Regime geändert werden. Eine zeitgleiche Kombination des Herceptin mit einem Anthrazyklin (z.B. Epirubicin) birgt das erhöhte Risiko einer Kardiotoxizität. Der Behandlungsvorschlag, für den ich mich dann schließlich entscheide, lautet daher wie folgt: 4 x EC (= Epirubicin + Cyclophosphamid) --> 4 x Taxotere (Wirkstoff: Docetaxel) im 3-Wochen-Zyklus, außerdem 20 x Herceptin sowie ca. 30 Bestrahlungen, d.h. Chemo-Therapie bis 08/05, Bestrahlung bis 10/05 und Antikörper-Therapie von 06/05 bis 07/06.
Wie wichtig die Entscheidung für die Antikörpertherapie ist, stellt sich im April 2005 heraus, als in den USA zwei diesbezügliche Studien vorzeitig abgebrochen werden, um allen Patientinnen dieses Medikament verabreichen zu können. Detaillierte Ergebnisse werden auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Mitte Mai 2005 bekannt gegeben. Ein Meilenstein in der Krebsforschung ist erreicht.
Die Chemo- und Antikörper-Therapie:
| Datum | Chemotherapie | Immuntherapie |
| 8. März 2005 | 1. EC-Chemo (Epirubicin + Cyclophosphamid) | |
| 29. März 2005 | 2. EC-Chemo (Epirubicin + Cyclophosphamid) | |
| 19. April 2005 | 3. EC-Chemo (Epirubicin + Cyclophosphamid) | |
| 10. Mai 2005 | 4. EC-Chemo (Epirubicin + Cyclophosphamid) | |
| 27. Mai 2005 | Meine Mutter verstirbt infolge ihrer Krebserkrankung. | |
| 7. Juni 2005 | 1. Taxotere-Chemo (Docetaxel) | 1. Antikörpertherapie - Herceptin (Trastuzumab - loading dose) |
| 27. Juni 2005 | 2. Taxotere-Chemo (Docetaxel) | 2. Antikörpertherapie - Herceptin (Trastuzumab) |
| 19. Juli 2005 | 3. Taxotere-Chemo (Docetaxel) | 3. Antikörpertherapie - Herceptin (Trastuzumab) |
| 9. August 2005 | 4. Taxotere-Chemo (Docetaxel) | 4. Antikörpertherapie - Herceptin |
Die Antikörpertherapie ist nach 20 Infusionen im drei-wöchigen Zyklus im Juli 2006 beendet. Sie verläuft völlig komplikationslos und ohne Nebenwirkungen. In regelmäßigen, größeren Abständen wird eine EKG-Kontrolle durchgeführt, um etwaige Herzschäden recht-zeitig festzustellen.
STRAHLENTHERAPIE
Nach einem zweistündigen Aufklärungsgespräch am 17.08.05 erfolgt am 29.08.05 ein Oberkörper-CT zur Bestimmung des genauen Bestrahlungsfeldes. Entsprechend der TNM-Klassifikation soll "nur" die Brustdrüse bestrahlt werden, nicht die Lymphbereiche. Die Gesamtdosis wird 55,8 Gy, - aufgeteilt in 31 Fraktionen à 1,8 Gy - betragen. Die Therapie startet nach der Einzeichnung des Bestrahlungsfeldes und einer Simulation am 12.09.05. Die letzte Bestrahlung erfolgt am 26.10.2005. Bis auf eine starke Rötung der bestrahlten Hautpartien verläuft dieser Therapieteil ohne weitere Vorkommnisse. Die betroffe-nen Hautpartien bedürfen über die nächsten Jahre hinweg einer besonderen Pflege - am besten mit Babyöl.
OVARSCHUTZ
Da ich zum Diagnoszeitpunkt mitten in der Familienplanung steckte, wurde dieses Thema im Zusammenhang mit meiner Therapie mehr als aktuell. Im Austausch mit anderen Betroffenen hatte ich überhaupt erst erfahren, dass eine Begleiterscheinung der Chemotherapie eine Schädigung der Eierstöcke (Ovarien) sein kann, welche zur Unfruchtbarkeit (Sterilität) und zum Eintritt in die Wechseljahre (Menopause) führen kann.
Ich wollte mir die Option, über meine spätere Familienplanung selbst zu entscheiden, gerne erhalten und so entschloss ich mich nach einer Beratung mit dem behandelnden Arzt und intensiver Recherche im Internet zu einer sog. therapiebegleitenden Ovarschutz-maßnahme. Das heißt, ich habe mich für die Dauer der Chemotherapie und weitere drei Monate danach mittels eines sog. GnRH-Agonisten (Wirkstoff: Goserelin - Präparat: Zoladex®) künstlich in die Wechseljahre versetzen lassen. Die Tatsache, dass mein Tumor hormonunabhängig war, hat mich in meiner Entscheidung zu dieser Maßnahme bestärkt.
Über alternative Möglichkeiten wie z.B. die Kryokonservierung von Eizellen bzw. Eierstocks-gewebe (Ovarian Tissue Banking - OTB) habe ich mich ebenfalls informiert. Jedoch waren diese zeitlich kaum mehr zu realisieren oder aber hätten eine spätere Hormonbehandlung mit sich gebracht.
Nach Abschluss meiner Zoladex-Begleittherapie im Oktober 2005 hat mein Zyklus im Mai 2006 wieder ziemlich regelmäßig eingesetzt.
Obwohl ich mich im Nachhinein aus Vernunftsgründen mit meinem Mann gegen eigene Kinder entschieden hatte, wurde ich Ende Dezember 2006 spontan schwanger. Ende August 2007 sind unsere Zwillingstöchter gesund zur Welt gekommen. Während der Schwangerschaft befand ich mich in engmaschiger ärztlicher Kontrolle bei verschiedenen Spezialisten. Meine Untersuchungs- sowie Laborwerte sahen immer sehr gut aus. Ich bezeichne mich als "Still-Amazone", da ich meine Kinder zumindest mit der untherapierten Brust teilstillen kann. Ob dies nun an der OP-Methode (Verschiebeplastik) oder aber an der Bestrahlung liegt, vermag niemand genau zu sagen. Dies ist für mich aber auch völlig unerheblich.
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last page update - 2008-12-19